Wenn der Winter dem Frühling weicht – was erwartet die Energiemärkte?

Im März wurden Volue's neueste Market Expert View-Webinare erfolgreich durchgeführt. Über zwei Tage hinweg erhielten die Teilnehmer zunächst ein Update zu den Brennstoffmärkten, bevor sie über die Aktivitäten in der nordischen Region und einen Ausblick auf den breiteren europäischen Markt informiert wurden. Für diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, haben wir nachfolgend einen Überblick über einige der wichtigsten Gesprächsthemen zusammengestellt.

19. Apr. 2023

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#1 Rückgang des Kernkraftverbrauchs setzt sich fort

In diesem Jahr hat sich die europäische Strombilanz im Vergleich zu 2022 erheblich verändert. Eine der auffälligsten Veränderungen ist der Rückgang des Verbrauchs und der Leistung in der Kernkraftproduktion in den vergangenen Monaten. Der Abwärtstrend bei der thermischen Erzeugung aus Quellen wie Braunkohle, Steinkohle und Gas wird voraussichtlich auch im weiteren Jahresverlauf unvermindert anhalten. Dies ist auf den starken Rückgang des Verbrauchs sowie auf einen deutlichen Anstieg der Wind- und Solarproduktion zurückzuführen.

Tor Reier Lilleholt, Head of Analysis, Volue

#2 Gas zeigt sich für den Sommer stabil

Die europäischen Gaspreise dürften für einen Großteil der Sommersaison stabil bleiben, und die soliden Speicherstände bedeuten, dass vor dem nächsten Winter weniger Einspeisung erforderlich ist. Allerdings sind die Preise bereits auf ein Niveau gefallen, bei dem ein Wechsel von Kohle zu Gas zum Faktor wird, was die Gasnachfrage stützen wird. Im weiteren Jahresverlauf besteht zudem ein gewisses Potenzial für steigende Preise, da eine Erholung der Nachfrage sowohl in Europa als auch in Asien prognostiziert wird.

Bjørn Inge Vik, Senior Analyst, Volue

#3 Starke Einbrüche an den CO2-Märkten

Wir erwarten, dass die Emissionen im EU-ETS-Markt im Jahr 2023 erheblich sinken werden. Dies ist größtenteils auf den anhaltenden Rückgang des Stromverbrauchs zurückzuführen, der die Abhängigkeit von thermischen Energiequellen verringert hat. Wir sehen zudem die Möglichkeit eines höheren Gasanteils in der thermischen Stromerzeugung als bisher angenommen. Infolge dieser Faktoren prognostizieren wir, dass die CO2-Preise im Laufe des Jahres schrittweise sinken werden.

Espen Andreassen, Senior Analyst, Volue.

#4 Niedrige Wasserkraft- und Kernkraftleistung belasten europäische Preise

Der kontinentale Strommarkt wird derzeit stark von günstigem Gas und einem Verbrauchsrückgang dominiert, der die einzelnen Mitgliedstaaten in unterschiedlichem Ausmaß betroffen hat. Mit Blick auf den bevorstehenden Sommer und Winter zeichnen sich jedoch zwei wesentliche Risiken ab: Erstens besteht in der Alpenregion ein Defizit in der Wasserkraftbilanz, das rund -15 TWh erreichen könnte. Zweitens herrscht Unsicherheit über den Zustand des französischen Kernkraftparks, nachdem die ASN am 6. März ein neues Korrosionsproblem gemeldet hat, das Penly 1 und möglicherweise weitere Reaktoren betrifft. Im kommenden Sommer könnten bestimmte Regionen wie Norditalien oder Südfrankreich – wie bereits 2022 – von schwerer Dürre betroffen sein. Dies wird nicht nur die Wasserkrafterzeugung beeinträchtigen, sondern auch die thermische und nukleare Stromerzeugung.

Silvia Messa, Senior Market Analyst, Volue

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