Einleitung

Das 1,4-GW-Seekabel Viking Link zwischen Dänemark und dem Vereinigten Königreich erregte bei seiner Inbetriebnahme Ende 2023 als weltweit längstes Unterwasser-Stromverbindungskabel große Aufmerksamkeit. Volue Insight modellierte ein Szenario ohne das Kabel, um dessen Auswirkungen auf die Strompreise in der nordischen Region und im Vereinigten Königreich im Zeitraum 2024–2028 zu ermitteln. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die nordischen und dänischen Preise zunächst um 2–4 € sinken würden, der dämpfende Effekt jedoch im Laufe der Zeit nachlässt – bedingt durch mehr Übertragungskapazität und eine stärkere Preiskonvergenz mit den europäischen Märkten.

Darüber hinaus nehmen wir in dem Szenario an, dass auch keine Erweiterung der grenzüberschreitenden Kapazität zwischen Westdänemark DK1 und Deutschland über das 1-GW-Projekt West-Coast Line erfolgt. Das Kabel gilt aus Gründen der dänischen Versorgungssicherheit als notwendig und soll im ersten Quartal 2025 in Betrieb genommen werden. Die Gesamtkapazität des Viking Link entspricht mehr als 20 % des dänischen Spitzenstrombedarfs im Winter, sodass unerwartete Ausfälle des Kabels in angespannten Versorgungssituationen zu starken Preisspitzen führen könnten.

Überblick

  • Auf saisonaler Ebene tritt der stärkste Rückgang der dänischen und nordischen Preise im vierten Quartal auf, was auf eine höhere Nachfrage im Vereinigten Königreich zurückzuführen ist. Importe dänischer Windenergie können dazu beitragen, teurere Gaserzeugung in den Wintermonaten zu verdrängen, wenn der Verbrauch steigt.
    • Die Ergebnisse zeigen, dass der Rückgang der nordischen Preise im ersten Quartal geringer ausfällt, da in diesem Zeitraum typischerweise eine stärkere Windproduktion und geringere Exporte ins Vereinigte Königreich zu verzeichnen sind. Die ambitionierten Ausbaupläne des Vereinigten Königreichs für Offshore-Wind bedeuten, dass die gesamten Nettoimporte im Laufe der Jahre schrittweise zurückgehen dürften.

  • Betrachtet man das jährliche Muster, so nimmt der dämpfende Effekt auf die nordischen Preise gegen Ende des simulierten Zeitraums ab.

    • Wir erwarten bis 2028 eine stärkere Konvergenz der nordischen, kontinentaleuropäischen und britischen Preise, da die grenzüberschreitende Kapazität zwischen den verschiedenen Märkten zunimmt.
    • Es wird erwartet, dass der steigende Stromverbrauch in der nordischen Region infolge neuer Rechenzentren, Wasserstoff-Elektrolyseur- und Batteriefabrikprojekte die Preise ankurbelt und stärker an das kontinentaleuropäische Niveau angleicht. 

Auswirkungen auf Länderebene

  • Die Gebotsgebiete DK1 und DK2 Dänemarks verzeichnen ohne das Kabel in den Vorausschaujahren den stärksten Preisrückgang.
  • Die DK1-Strompreise liegen im Jahr 2025 um rund 3,70 € niedriger, doch der Effekt nimmt ab, und die Simulation zeigt bis 2028 geringfügig höhere Preise (0,50 €) im Vergleich zum Basisszenario. Die dänischen Preise werden zudem gestützt durch die geringere Verbindungskapazität zu Deutschland ohne die West-Coast Line, die andernfalls Importe günstigen deutschen Stroms in windreichen Perioden ermöglicht hätte. 
  • Gleichzeitig sehen wir, dass die britischen Strompreise in den Vorausschaujahren ohne den Viking Link um rund 1–3 € höher liegen würden.
  • Die Preise in allen norwegischen Gebotsgebieten sind in der Simulation zunächst um 2–3 € niedriger, und die schwedischen Preise würden ebenfalls um 1–2 € fallen, lägen aber bis 2028 nur noch 1 € unter den Preisen des Basisszenarios. 

Austausch

  • Am bedeutsamsten bei den grenzüberschreitenden Flüssen ist, dass die Nettoexporte aus Norwegen und Schweden nach Dänemark in dem Szenario in den ersten zwei Jahren im Durchschnitt um 235 MW zurückgehen.
  • Dies verdeutlicht, dass Wasserkraftproduzenten in Norwegen und Schweden unter normalen Wetterbedingungen über einen zusätzlichen Weg verfügen, um über Dänemark in den höherpreisigen britischen Markt zu exportieren. 
  • Dies sind lediglich indikative Ergebnisse; die Nettoexporte nach Dänemark wären in Trockenjahren bzw. Nassjahren naturgemäß niedriger bzw. höher.

Fazit

In der Simulation würden die nordischen und dänischen Preise in den meisten Gebieten zunächst um 2–4 € sinken, doch der preisdämpfende Effekt lässt im Laufe der Zeit nach, da mehr Übertragungskapazität zur Verfügung steht und eine stärkere Preiskonvergenz mit den europäischen Märkten eintritt.

Die reduzierten Nettoexporte aus Norwegen und Schweden-Dänemark deuten darauf hin, dass ein Teil der Energieflüsse über den Viking Link in das Vereinigte Königreich umgeleitet wird.

Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die Marktauswirkungen neuer Interkonnektoren zwischen den nordischen Ländern und dem europäischen Festland bzw. dem Vereinigten Königreich, angesichts der zahlreichen Projekte in der Pipeline.

Mid-term-Marktanalyse

Angesichts der fortschreitenden Integration der europäischen Strommärkte, des Übergangs des japanischen Strommarkts zu organisierten Börsen und der zunehmenden Preisvolatilität auf den Strommärkten gewinnen Futures und Terminkontrakte erheblich an Bedeutung. Unsere umfassenden Preisprognosen für Forward- und Futures-Märkte liefern aufschlussreiche, dynamische Daten und befähigen Kunden, effektive Absicherungsstrategien zu entwickeln.

Energy Market Data & Forecasts