US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran dieses Wochenende

Nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran an diesem Wochenende, gefolgt von Vergeltungsangriffen des Iran in der gesamten Region, haben die kurzfristigen Gasmärkte scharf reagiert. TTF-Gas-Futures für den Frontmonat sind heute um rund 40–50 % gestiegen und werden derzeit bei etwa 46 €/MWh gehandelt.

Der entscheidende Risikofaktor ist die Straße von Hormuz, die nun offenbar faktisch geschlossen ist. LNG-Tanker liegen auf beiden Seiten still und blockieren damit die LNG-Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zusammen entfallen auf diese Länder rund 20 % der weltweiten LNG-Produktion. Obwohl etwa zwei Drittel dieser Mengen üblicherweise nach Asien fließen, ist LNG ein globales Handelsgut, sodass die Preisauswirkungen weltweit zu spüren sind. Mehrere europäische Länder – allen voran Italien – erhalten zudem regelmäßig Lieferungen aus Katar.

Dieser Schock trifft Europa in einem besonders verwundbaren Moment. Ein kalter Winter hat die Gasspeicherstände auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren sinken lassen, was die Abhängigkeit von starken LNG-Zuflüssen erhöht, um die Vorräte vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen. Eine anhaltende Unterbrechung der Straße von Hormus – die Monate statt Tage andauert – wäre äußerst schädlich und rechtfertigt die starke Neubewertung, die wir über weite Teile der Einspeisesaison hinweg beobachten. Eine länger anhaltende Schließung würde noch gravierendere Auswirkungen nach sich ziehen.

Sollten die katarischen Exporte jedoch innerhalb von Tagen oder Wochen teilweise oder vollständig wieder aufgenommen werden, wären die fundamentalen Auswirkungen vergleichsweise begrenzt, und die Preise könnten sich von den aktuellen Niveaus schnell erholen.

Dies ist ein Moment erhöhter Unsicherheit. Die Entwicklungen im Iran und ihre Auswirkungen auf den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus werden sehr genau beobachtet werden. Die Dauer ist entscheidend und hängt letztlich davon ab, ob und inwieweit der Iran bereit oder in der Lage ist, eine anhaltende Unterbrechung dieser kritischen Schifffahrtsroute aufrechtzuerhalten.

Analyse: Bjørn Inge Vik, Senior Market Analyst