Insight-Studie: 25 Prozent Rückgang der nordischen Terminmarktpreise für Strom ohne Interkonnektoren

Das Analystenteam von Volue Insight unter der Leitung von Tor Reier Lilleholt hat ein Strompreisszenario entwickelt, in dem Norwegen die beiden Interkonnektoren zum Vereinigten Königreich und nach Deutschland nicht nutzt.

29. Aug. 2022

Power grid in the Norwegian countryside
  • Volue Insight hat ein Szenario erstellt, in dem Norwegen die Interkonnektoren zum Vereinigten Königreich und nach Deutschland nicht nutzt.
  • Die Simulation zeigt, dass die beiden Kabel im kommenden Winter für 25 Prozent der nordischen Strompreise verantwortlich sind – 15 Prozent mehr als frühere Schätzungen.
  • Die früheren Schätzungen, die einen Anstieg von 10 Prozent auswiesen, berücksichtigen weder die Energiekrise noch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen.
  • Ohne die Interkonnektoren sind die erwarteten Lieferpreise in Norwegen um 25 Prozent niedriger.
  • Das Volue-Modell zeigt außerdem, dass sich die Wasserspeicher in Südnorwegen deutlich schneller auf ein normales Niveau erholen.

Analysten von Volue Insight haben mithilfe des EMPS-Modells von SINTEF ein Preisszenario durchgespielt, das die Nichtverfügbarkeit der Verbindungskabel von Norwegen zum Vereinigten Königreich und nach Deutschland simuliert, und die Ergebnisse mit einem Basisszenario verglichen, in dem die Kabel vollständig verfügbar sind.

Dieses Szenario ist unwahrscheinlich und wurde hauptsächlich entwickelt, um eine in den Medien häufig gestellte Frage zu beantworten: „Was wäre, wenn Norwegen die beiden Kabel, die mit Südwestnorwegen (NO2) verbunden sind, nicht gebaut hätte?"

Die Erkenntnisse von Volue Insight zeigen einen weit größeren Effekt auf die Marktpreise in Südnorwegen als bisher angenommen, da frühere Prognosen auf Simulationen basierten, die vor der Invasion in der Ukraine durchgeführt wurden.

„Mehrere Medien in Norwegen haben auf einen 10-prozentigen Effekt des aktuellen Preisanstiegs verwiesen. Dieser prozentuale Anstieg sollte die Energiekrise in Europa und eine extreme hydrologische Situation mit sehr niedrigen Wasserspeicherständen berücksichtigen", sagt Tor Reier Lilleholt, Analyseleiter bei Volue Insight.

Durch das Entfernen der beiden Kabel in der Simulation hat das Analyseteam von Insight beobachtet, dass die Preiserwartungen in Südnorwegen um bis zu 115 bis 125 €/MWh unter die Basisprognosen fallen – bei einem Niveau von rund 450 €/MWh.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die neuen Kabel, die mit Südnorwegen verbunden sind, einen Preisanstieg von 25 Prozent verursachen könnten.

„Im nächsten Jahr, wenn wir ein niedrigeres Preisniveau sehen, könnte der preissteigernde Effekt der Kabel sogar noch höher ausfallen", sagt Lilleholt.

Das nachstehende Diagramm zeigt die Preise im Gebotsgebiet NO2, mit und ohne die direkte Verbindung zu North Sea Link (UK) und Nordlink (DE). Seit der vergangenen Woche haben die Eingangsdaten die Preise in den neuesten Simulationen weiter nach oben getrieben.

25 percent reduction nordic forward power prices without interconnectors02

Das Diagramm zeigt beide Terminpreisprogosen im direkten Vergleich.

Die nachstehende Tabelle zeigt den Effekt des Preisrückgangs in €/MWh für alle nordischen und baltischen Preiszonen. Da sich die Kabel in NO2 befinden, ist dort der größte Unterschied zu verzeichnen.

25 percent reduction nordic forward power prices without interconnectors03
25 percent reduction nordic forward power prices without interconnectors01

Das Diagramm zeigt die tatsächlichen Speicherfüllstände zwischen 2020 und 2022 sowie Prognosen von 2022 bis 2024, jeweils für das Basis- und das kabelloses Szenario.

Neben den Preisprogosen stellt das Volue Insight-Team einen erheblichen Effekt auf die prognostizierten Wasserspeicherstände fest. Ohne die Kabel erholen sich die Wasserspeicher in Südnorwegen deutlich schneller auf ein normales Niveau als im Basisszenario mit Kabeln. Dies zeigt, dass die hohen europäischen Preise im Zeitverlauf zu einer höheren Produktion und stärkerem Export aus Südnorwegen beitragen.